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Okinawa Report Februar 2013

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  • 07 Mär

 

 

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Beim „Ude-Makiwara“ handelt es sich lediglich um einen Baumstamm. „Ude“ bedeutet „Arm“ oder auch „Unterarm“. Diese Art von Makiwara wird vor allem verwendet um Abwehrtechniken und Blocktechniken zu üben. Auch zur Abhärtung der Arme wird dieses Gerät eingesetzt.

Hier links sieht man den „Ude-Makiwara“ des Jundokan.

Da der „klassische Makiwara“ sich nicht zum Üben von Abwehr- und Blocktechniken eignet, ist dieser Makiwara eine wunderbare Ergänzung.
Man sieht deutlich, was der Ursprung dieses Makiwara gewesen ist - ein Baum!

So unterschiedlich wie die Arten der Makiwara, so unterschiedlich sind auch deren Befestigungsmöglichkeiten. In der Ur-Variante, wurde das Brett wohl in den Boden eingegraben, eine Methode die man dann verwenden kann, wenn man nicht in einer Halle, sondern in freier Natur trainiert!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wie auf diesem Bild zu sehen, werden die Makiwara des Jundokan in den Boden eingelassen und dann mit hölzernen Keilen stabilisiert.

Es kommt hin und wieder vor, dass ein Makiwara sich durch intensive Benutzung zur Seite neigt. In diesem Fall wird das Brett einfach wieder gerade gestellt und die Keile werden mit einem Gewicht (z.B. einer Hantel) gehämmert, bis das Brett wieder fest verkeilt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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 Auf diesem Bild sieht man zwei Makiwara die sich in der DOJO Bar in Naha befinden. Man sieht beim linken deutlich die Löcher für die Schrauben. Dieses Art von Makiwara wird lediglich auf den Boden geschraubt. Eine spezielle Vorrichtung, in diesem Fall aus Metall, erlaubt diese Art der Befestigung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie oben auf dem ersten Bild bereits zu sehen war, gibt es auch „Wand-Makiwara“, die eine ähnlich Vorrichtung besitzen und einfach mit Schrauben an der Wand befestigt werden.
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Das Lederpolster der Makiwara des Jundokan wird auf der Rückseite verschnürt. Der Makiwara auf diesem Bild ist der härteste im Jundokan. Man erkennt eine Art orange Schicht. Es handelt sich dabei um eine Art Hartgummi, sodass das obere Ende des Makiwara noch um ein vielfaches härter ist, als würde man nur auf das Holz schlagen – es fühlt sich an wie Eisen!

 

 

 

 

 

 

 

 

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Bei der Lederpolsterung, die oben zu sehen ist, handelt es sich um eine Art leichte Grundpolsterung, die mehr den Makiwara schützt, als die Hand des Übenden. Auf diesem Foto sieht man eine selbstgemachte Polsterung eines der Mitglieder. Gefertigt aus mehreren Gummi-Schwämmen, Klebeband und Strohseil. Wem der bloße Makiwara also zu hart ist, fertigt sich einfach seine eigene Polsterung! Und um hier noch einmal zum Anfang zurückzukehren: Genaugenommen ist diese (selbst gefertigte) Polsterung der eigentliche „Makiwara“ und nicht das Brett, an dem sie befestigt wird.

 

 

 

 Die Dōjōkun des Yuishinkan - 唯心館道場訓

Im folgenden möchte ich kurz die Dojokun des Yuishinkan zitieren, wie sie im Buch “Jukuren – Kampfkunst der Erfahrenen” von Fritz Nöpel und Martin Nienhaus auf Seite 96 und 97 zu finden sind.

Es handelt sich dabei um fünf (kurze) Merkssätze:

1)         „一、礼儀を正しく

            „ Eins gilt: Übe mit korrektem Benehmen und Etikette!

2)         „一、たゆまずつづけ

            „ Eins gilt: Übe unermüdlich weiter!

3)         „ 一、無理をせず

            „ Eins gilt: Übertreibe nicht!

4)         „ 一、慢心せず

            „ Eins gilt: Übe ohne Stolz!

5)         „ 一、心身の鍛錬をす

            „ Eins gilt: Forme Körper und Geist!

(Anmerkung: Deutsche Sätze im Original nicht kursiv!)

Um einen Vergleich ziehen zu können, werde ich nun auch die Dojokun des Jundokan kurz vorstellen. 

Die Dōjōkun des Jundōkan – 順道館道場訓

Die Dōjōkun des Jundōkan besteht aus acht (kurzen) Merksätzen. Es hängt eine hölzerne Tafel mit diesen acht Sätzen gut sichtbar im Dōjō. Einige Meter daneben an der gleichen Wand befindet sich eine einfache Version der acht Sätze auf Englisch.

Hier nun die acht Sätze:

1) 一、謙虚にして礼儀を重んぜよ。

Der erste Satz besagt, dass man bescheiden sein und großen Wert auf Anstand legen soll.

Wörtlich: „ Eins gilt: Sei bescheiden und lege großes Gewicht auf Höflichkeit!

Siehe: Dōjōkun des Yuishinkan Satz 1: Eins gilt: Übe mit korrektem Benehmen und Etikette!

2) 一、体力に応じて適度に修行せよ。

Im zweiten Satz geht es um die Einstellung zum Training. Man soll entsprechend seiner Fähigkeiten trainieren und nicht übertreiben.

Wörtlich:Eins gilt: Trainiere maßvoll entsprechend deiner körperlichen Kraft!

Siehe: Dōjōkun des Yuishinkan Satz 3: „ Eins gilt: Übertreibe nicht!

3) 一、真剣に工夫研究せよ。

Im dritten Satz wird man dazu aufgefordert, sich vernünftige Gedanken zu machen und ernsthaft nachzuforschen. Dabei soll man möglichst verschiedene Möglichkeiten bedenken, z.B. bei der Bunkai der Kata.

Wörtlich:Eins gilt: Forsche ernsthaft und denke dabei an verschiedene Punkte!

4) 一、沈着平静にして敏捷自在なれ。

Bei diesem Satz kann man deutliche Parallelen zum Gedicht über die acht Säulen des Weges der Faust erkennen (Vers 4).

Wörtlich: „Eins gilt: Sei gelassen und ruhig und werde geschickt und frei!

5) 一、摂生を重んぜよ。

Dieser Satz erinnert daran, gut auf die Gesundheit acht zu geben. Das Wort das hier benutzt wird kann auch Hygiene bedeuten und impliziert, dass man z.B. genügsam isst und trinkt.

Wörtlich:Eins gilt: Lege großes Gewicht auf die Gesundheit/ Hygiene!

 

6) 一、質素な生活をせよ。

Es heißt in diesem Satz, dass man bescheiden sein soll. Gemeint ist z.B. dass man nicht verschwenderisch mit Dingen umgehen soll. Z.B. kein Essen wegwerfen usw.

Wörtlich:Eins gilt: Führe ein einfaches/ bescheidenes Leben!“ 

 

7) 一、慢心せぬこと。

Der erste Merksatz, der etwas erwähnt was man NICHT tun soll.

Wörtlich:Eins gilt: „ Gib nicht an!/ Prahle nicht herum!

Siehe: Dōjōkun des Yuishinkan Satz 4: „ Eins gilt: Übe ohne Stolz!

8) 一、撓まず屈せず修行を永続せよ。

Auch beim letzten Satz wird dazu aufgefordert, eine Handlung zu unterlassen. Gleichzeitig aber auch eine bevorzugte Vorgehensweise nahegelegt.

Wörtlich:Eins gilt: Übe immerwährend weiter ohne dich zu biegen oder zu beugen!

Siehe: Dōjōkun des Yuishinkan Satz 2: „ Eins gilt: Übe unermüdlich weiter!

Sowohl die Dōjōkun des Yuishinkan, als auch die Dōjōkun des Jundōkan sind in einer alten Form des Japanischen geschrieben und bedienen sich beide der Befehlsform. Auch inhaltlich lassen sich viele Gemeinsamkeiten erkennen. In beiden Fällen erinnern die Dōjōkun die Übenden an das korrekte Benehmen und die richtige Einstellung zum Training . Sowohl im Yuishinkan als auch im Jundokan wird auf die Dōjōkun großen Wert gelegt. Welche Sätze man nun mit in die Dōjōkun mit aufnimmt, ist offenbar von Dojo zu Dojo verschieden. So sind es im Falle des Yuishinkan 5 Sätze, im Falle des Jundokan 8 Sätze und im Shotokan gibt es sogar 20 Sätze.

Eins lässt sich aber gewiss sagen: Das korrekte Benehmen, die richtige Einstellung zum Training und das Verhalten im Dojo (aber auch außerhalb!) sind wichtige Elemente des Karate und sollten als solche niemals in Vergessenheit geraten. Daher erinnert auch in den meisten japanischen Dojo eine gut sichtbare Tafel im Dojo an eben diese (Verhaltens-) Regeln und (Lebens-) Weisheiten.

Das war’s auch schon wieder von mir für den Monat Februar!

Ich wünsche euch viel Erfolg beim Makiwara-Bau! Hoffe, ich konnte mit diesem Report etwas dazu beitragen.

Viele Grüße an alle Ochtruper Karate-Ka!

Thilo