A+ R A-

Okinawa Report - Karate Museum

  • Zugriffe: 2009
  • 22 Okt

 

Es gibt aber auch Götter, die öfter vorbeischauen, z.B. den Gott des Feuers, der an jedem 1. und 15. Tag eines jeden Monats kommt um das Haus zu beschützen – er wohnt solange in der Küche!

Man kann durchaus sagen, dass es sich beim okinawanischen Glauben um eine Art des Animismus handelt, denn auch in der Natur werden Orte oder Dinge verehrt. Animismus meint vor allem die Verehrung der Natur als Gott – alles ist „animiert“ also hat eine Seele.

Wer hätte es gedacht, aber in alten Zeiten gab es auf Okinawa stets jemanden, der mehr (politische) Macht und Einfluss hatte, als der König! Errät jemand, wer das gewesen sein könnte? Nein, es waren nicht die Karate Ka! Es waren die Frauen! Es bestand ein hierarchisches System aus Nuuru (ヌール) [auch Noro genannt (ノロ)], quasi Schmaninnen, die Aufgabe hatten das Land (die Insel) und den König zu schützen. Die unterste Ebene waren die Dorfgemeinschaften der einzelnen Gebiete. In jedem dieser Gebiete gab es diese Schamaninnen. Den höchsten Rang damals hatte Kikoe no Ookimi inne, eine Frau der es gelang sich über die Macht des Königs hinwegzusetzen und eine Organisation zu gründen, unter der sich die Schamaninnen vereinten. Den höchsten Rang konnten nur Schwestern des Königs, oder Frauen aus der Königsfamilie einnehmen.

Das Shuri Schloss galt damals schon als spirituelles Zentrum und ihm wurde nachgesagt, dass dort die Kraft der Geister besonders stark sei.

Die Frauen auf Okinawa sind, sofern sie jüngere Brüder haben, automatisch dazu auserkoren, Göttinnen zu sein und als solche auf ihre Geschwister acht zu geben. Allgemein sagt man von den Frauen auf Okinawa, dass sie sehr stark seinen, also einen starken Charakter und ein starkes Selbstbewusstsein besitzen. Das erklärt vielleicht auch die hohe Scheidungsrate auf der Insel.

Im WKII wurden viele Tempel und alte Gebäude zerstört, aber was heute wie damals noch vorzufinden ist, das sind die Utaki (ウタキ). Es handelt sich dabei um kleinere Gebiete, die von einer Mauer umgeben sind. Man kann durch ein Tor hineingelangen, aber üblicherweise betet man vor dem Tor. Innen befindet sich Natur, also z.B. Bäume oder Steine, die von solcher Art sind, dass sie, sollte jemand vor dem Tor beten, eine Gottheit beherbergen können, die, um sich die Bitten der Menschen anzuhören eigens aus Niraikanai zur Insel kommt.

Ein berühmter Utaki kann z.B. auf dem Platz des Shuri Schlosses besichtigt werden. Aber grundsätzlich sind sie überall zu finden, oft erkennt man sie als solche gar nicht, man kann sie genauso gut für einen kleinen Garten halten.

Der stärkste heilige Ort dieser Art ist der Seifaa Utaki. Seine Berühmtheit hat ihm allerdings neben viel Aufmerksamkeit auch sehr viele Touristen beschert.

Von der Kudaku Insel (久高) wird bereits seit 400 Jahren gesagt, sie sei die göttliche Insel, die erste Insel, auf die ein Gott hinabgestiegen ist. Vor allem die alten Könige verhalfen ihr zu ihrer besonderen Bedeutung, da sie jedes Jahr diese kleine Insel besuchten, um Gefahren, die dem Königreich drohen mochten, abzuwenden. Auch Kikoe no Ookami sprach dieser Insel ein starkes Seji (セジ), also eine starke Geistige Kraft zu.

Auf dieser Insel konnten Frauen zu Göttinnen werden! Jedes Jahr wurde hier eine Zeremonie abgehalten, die man Izaihou (イザイホウ) nennt. Vier Tage lang tanzen bei dieser Zeremonie die Frauen, nach dem sie sich einer Reinigungszeremonie unterzogen haben, wie in Trance, um danach als Göttin zu ihrer Familie zurückzukehren und diese zu beschützen. Die letzte Zeremonie dieser Art wurde 1978 abgehalten.

Wer heute Probleme hat, geht zu einer Yuta (ユタ), einer Schamanin. Man sagt „Ich gehe mir eine Schamanin kaufen!“, wenn man beabsichtigt, sich den Rat dieser Dame einzuholen. Denn: Diese Schamaninnen verrichten ihre Arbeit nicht umsonst – im Gegenteil, es kann mitunter viele tausend Euro teuer werden! Man hat schon einmal versucht, dieses Schamanentum zu verbieten, aber da es so sehr in das Leben der Menschen hier integriert ist, scheiterte dieses Vorhaben.

Was bedeutet das für Karate?

Wenn jetzt also in einem Dojo die Bilder der verstorbenen Meister hängen, ist das weniger eine Angelegenheit des Buddhismus oder Shinto, als nicht zuletzt eine der Ahnenverehrung. An die Wand kommen ja nur diejenigen Meister, die bereits gestorben sind, aber Achtung! Ist der Meister vor mehr als 33 Jahren gestorben, ist er bereits ein Gott! Und verdient somit (wahrscheinlich) besonderen Respekt.