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Okinawa Report Okt. 2012

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  • 08 Dez

 

Da wäre zunäcNaha Matsuri - Seilhst einmal das „Naha-Maturi“, also das „Fest von Naha“. Wie bereits erwähnt ist Naha die größte Stadt auf der Insel. Dort wird einmal ein Jahr ein Fest zu Ehren von Shohashi abgehalten, ein König der alten Zeit, dem es gelungen ist, die Insel zu vereinen. Neben kleinerenVorführungen u.a. auch von Karate-Dojo, einem Konzert mit anschließendem Feuerwerk usw. kommen die Leute vor allem wegen dem „Main Event“ – dem wohl größten Tauziehen der Welt! Mehrere Tausend Menschen liefern sich ein Tauziehen mit einem über 200m langem und über 20 Tonnen schweren, heiligem Seil. Das Seil wird, nachdem die Straßen gesperrt wurden, auf einer der größten Straßen Naha’s vorbereitet. Da das Seil einen Durchmesser von ca. 1,5 m hat, werden viele hunderte kleine Seile am großen befestigt, sodass die Leute auch ziehen können. Wer früh kommt, kann selber mitziehen – das haben wir natürlich gemacht! Leider hat unsere Seite verloren. Das liegt wohl daran, dass der Rest vom Ochtruper Karate Verein nicht mitgezogen hat! Wo seit ihr denn, wenn man euch braucht – kommt nach OkinawaJ! Die Seite, die das Seil als erstes 5m bewegt, gewinnt. Zudem stehen auf den Seilen Männer in traditionellen Kluften und geben Kommandos, damit alle zur gleichen Zeit ziehen. Jede „Seite“ wird unterstützt von mehreren Gruppen von Fahnenschwenkern. Die Fahnen sind mehrere Meter hoch und 100kg schwer!

Dieses Tauziehen war wirklich sehr beeindruckend!

Neben dem Tauziehen habe ich mich aufgemacht, um den Seifa Utaki, von dem ich im Zwischenbericht erzählt habe, zu besuchen. Der Utaki besteht aus mehreren steilen Gängen, die einen kleinen Berg nahe am Meer hinaufführen, und auf dem Weg zur heiligsten Gebetsstätte, von der aus man die heilige Kudaka-Insel sehen kann, befinden sich mehrere heilige Orte und Ritualstätten. Ich frage mich, wie die Leute dort damals in Ruhe beten konnten, bei den vielen Mücken?

 

 

Bei einer Fahrradtour nach Nago hatte ich Gelegenheit, die Insel noch etwas näher zu erforschen. Bei einer Beach-Party am „Chatan Beach“ habe ich mich vor allem die Strände und das Meer Okinawas etwas besser kennen gelernt. Es geht auf den November zu, aber es ist immer noch heiß und schwimmen ist absolut angebracht!

Ab jetzt geht’s endlich um Karate! Jemand von der Uni hatte mich mitgenommen und mich seinem Sensei vorgestellt, nämlich Kaki no Hana Sensei. Er macht Karate nicht um damit Geld zu verdienen, hat dementsprechend ein kleines Dojo in sein Wohnhaus integriert und verlangt für die Mitgliedschaft nur 1000 Yen – ca. 10€. Ich konnte am Training teilnehmen und mich etwas mit ihm unterhalten. Er macht Shorin Ryu, also ein Nachfahre des Shuri-Te. Neben Naha hatte vor allem die Stadt Shuri auch eine große Bedeutung in früheren Zeiten, denn dort steht das Schloss. Unser Goju-Ryu stammt ab vom Naha-Te, dem Karate, dass in Naha praktiziert wurde – man findet auch heute die meisten Goju-Ryu Dojos noch in Naha. Das Gegenstück dazu war das Shuri-Te, das am Schloss des Königs und Umgebung praktiziert wurde. Der Sensei erzählte mir, dass der König damals das Karate wohl sehr mochte und es auch am Hofe des Königs vorgeführt wurde. So könne man noch heute sehen, nachdem der Name von Shuri-Te in Shorin-Ryu geändert wurde, dass in den Shorin Ryu Kata viele tänzerische Elemente enthalten sind, die es z.B. im Goju- Ryu viel seltener gibt.

Kaki no Hana Sensei hatte den wunderbaren Holzboden seines kleinen Dojo mit blauen Matten ausgelegt, da es im Shorin Ryu auch Würfe gäbe – so sei das angenehmer. An den Wänden hingen viele Bilder alter Meister und Vorfahren, Kalligraphien, usw. Irgendwo stand eine Stereoanlage, an einer Wand hing ein Fernseher, hier lagen Kurzhanteln, dort steht eine Kraftmaschine. Am Rand hängt ein großer schwarzer Sandsack, an einer Wand ist ein kleiner Makiwara befestigt. Das ganze Dojo ist voll gestellt und gelegt mit Karate-Utensilien – ein kleines Chaos (wie auch der Rest des Hauses!). Das Training bei Kaki no Hana Sensei war natürlich interessant, allein schon wegen des Dojo, aber hier würde ich selbstverständlich nicht regelmäßig trainieren.

So machte ich mich einige Tage darauf nach Naha, dem Ursprung des Goju-Ryu, um dort ein geeignetes Dojo zu finden. Ich hatte ja bereits im Internet recherchiert, also musste ich nur noch hinfahren, aber die richtige Adresse zu finden ist in Japan gar nicht so einfach – genau, ich habe es beim ersten Mal nicht gefunden! Ich musste also noch mal los, aber dann klappte es auch. Ich fand das Jundokan Dojo, das sich ganz in der Nähe zur Kokusai Doori befindet. Das Gebäude war deutlich niedriger als die umliegenden Wohnblocks, da sich in diesem nur das Dojo befindet. Wie schön das Innere auch noch mit edlem Holzboden und Treppen, Fassaden usw. ausgearbeitet war, von außen reihte es sich ohne hervorzustechen in das graue Häusermeer Naha’s ein.

Als ich das erste Mal dieses Dojo betrat, war ich wirklich sehr aufgeregt. Eine Frau kam auf mich zu, als ich am Eingang stand, und so fragte ich, ob ich zuschauen dürfte. Ich durfte! Ich konnte mich auf eine Bank an den Rand setzen, die eigentlich für irgendwelche Übungen gedacht war.

Nach ca. einer Stunde fragte man mich, ob ich denn mitmachen wollte – Ja, sagte ich, wenn das ginge – zufällig („hust“) hatte ich auch schon meinen Karate Anzug dabei. Das war Anfang Oktober – seitdem bin ich regelmäßig im Dojo und Mittlerweile sogar Mitglied. Aber das war gar nicht so einfach! Ich wurde im Büro des Direktors „verhört“ – wer ich bin, wer meine Sensei sind, wo ich her komme, was ich für ein Karate mache usw. Der Direktor war zunächst nicht so begeistert, da ich vom Goju-Kai komme (d.h. das Yuishinkan in Osaka ist im Goju Kai und die Kata des Goju Kai sind anderes, als die ursprünglichen aus Okinawa) und er befürchtete, dass ich hier im Dojo die Goju Kai Kata machen würde. Ich erklärte ihm, dass ich hier sei um zu lernen und habe mir deshalb auch wieder einen Weißgurt umgebunden. Da die Kata sowie so etwas verschieden sind ist das, denke ich, die beste Lösung.

Auf jeden Fall habe ich hier ein wunderbares Dojo gefunden, in dem ich jetzt regelmäßig unter der Anleitung von Großmeistern trainieren kann.

Hier einige Infos zum Dojo selber:

Der Gründer war Eiichi Miyazato, ein Schüler Chojun Miyagi’s. Er ist leider bereits verstorben – der Direktor ist nun Yoshihiro Miyazato. Das Dojo zählt ohne Zweifel zu den größeren. Es hat einen Holzboden, unter dem sich ein besonderer Mechanismus befindet, sodass er ein wenig federt. Wer Mitglied werden will muss eine Aufnahmegebühr von 5000 Yen (50€) zahlen. Der Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 5000 Yen im Monat – also ca. 50€ im Monat. Sehr teuer, für deutsche Karate-Verhältnisse. Allerdings ist das Dojo von Montags bis Samstags von 17:00 bis 22:00 geöffnet – es ist immer mindestens ein hochrangiger Danträger anwesend. An den Wänden des Dojo sind mehrere große Spiegel angebracht – man muss sich wirklich erst an das Training mit Spiegeln gewöhnen, denn zu Beginn lenkt es sehr ab. An der Hauptseite befinden sich die Porträts der verstorbenen Meister sowie eine Büste von Chojun Miyagi. In der Mitte der Hauptseite befindet sich eine Art Schrein, der eine Figur des Gottes der Kampfkünste „Busaganashi“ beherbergt. Alle Trainingsgeräte befinden sich im Dojo selber, das heißt sie stehen oder liegen am Rand, ohne dass sie stören. Trainingsgeräte sind zum Beispiel Makiwara, Kurzhanteln, Langhanteln, Chishi, Sashi, Nigiri Game, Tan, Kongoken, Bänke, usw.

(macht euch ein Bild unter: http://www.youtube.com/watch?v=UyhuGs1dM-k)

Das Training im Jundokan beginnt immer mit den Jumbi Undo. Generell ist immer freies Training, bis auf drei festgelegte Stunden in der Woche, zu denen Gruppentraining abgehalten wird – der Fokus liegt dann ganz klar auf Partnerübungen wie z.B. Bunkai. Freies Training ist jedoch nicht gleich Freies Training. Vor allem, wenn man noch kein Danträger ist wird man schon etwas geführt, aber man kann sich quasi jedes Mal von den Sensei einen aussuchen, die gerade anwesend sind.

Folgendes ist ein beispielhafter Ablauf eines Trainings, wie ich es hier erlebe:

Ich komme um 17:30 im Dojo an. Ziehe mich um. Herr Sunagawa Sensei ist bereits dort – genauso wie zwei Besucher aus Neuseeland. Wir machen zusammen Jumbi Undo unter der Leitung von Sunagawa Sensei. Die Jumbi Undo dauern ca. eine Stunde. Es ist 18:30. Herr Sunagawa fragt, ob wir die Kata Sanchin gerne üben würden – na klar! Eine Stunde Sanchin. Es ist 19:30 und meine Schultern sind blau! 30 Minuten freies Training. Ich gehe an die Makiwara und mache ein paar Liegestütze. Der harte Makiwara ist so hart, dass ich nur einmal dagegen schlagen muss, um mir fast die Hand zu brechen. Die Sensei stehen da teilweise ½ Stunde vor! Es ist nun 20:00. Das Gruppentraining beginnt. Gima-Sensei (8. Dan) und Kinjou-Sensei (8.Dan) leiten das Training. Eine Stunde lang Partnerübungen und Bunkai. Am Gruppentraining nehmen ca. 12 Leute teil. Es ist 21:00 – das Gruppentraining ist zu Ende. Wer noch etwas machen will, hat jetzt noch Zeit – die meisten gehen jedoch nach Hause. Ich verlasse das Dojo um 21:15.

Da sie im Jundokan ihr eigenes Abzeichen haben (der Gott der Kampfkünste), musste ich mir zu Beginn einen neuen Anzug kaufen. Das habe ich im Shureido gemacht. Das Geschäft ist spezialisiert auf alles, was ein Karate Ka so braucht. Anzüge, Gürtel, Bücher, Schutzausrüstung, Makiwara, Chishi, Sashi usw. Einen Anzug bekommt man hier ab 7000 Yen – ca. 70€. Die Steinhanteln und Makiwara, die man hier erwerben kann sind allerdings recht teuer, da nicht irgendein Stein verwendet wird, sondern ein ganz spezieller. (ca. 100€/ Hantel)

Ich hoffe euch hat dieser Report gefallen! Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, zögert bitte nicht, diese zu stellen. Auch über Feedback würde ich mich sehr freuen – z.B. Wenn ihr lieber mehr über die Strände wissen wollt, kann ich dazu mehr schreiben, oder wenn ihr bestimmte Karate Aspekte vertieft haben wollt – kein Problem- lässt sich alles machen!

Selbst wenn ihr Fragen habt, die ihr einem Sensei hier auf der Insel gerne stellen würdet – schickt mir die Fragen, ich frag’ für euch nach! Die Leute hier sind wirklich sehr nett und vor allem die Sensei freuen sich, wenn man sich für Karate interessiert. Ich muss manchmal aufpassen, dass ich nicht die ganze Nacht im Dojo verbringe, denn wenn die Sensei einmal anfangen zu reden, hören die gar nicht mehr auf wenn man sie nicht stoppt! J

Also, in diesem Sinne stoppe ich mich mal selber!

Mit den allerbesten (immer noch sonnigen) Grüßen aus Okinawa,

Thilo