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Aktuelle Dojo - Nachrichten

Okinawa Report Sept. 2012

Man möchte meinen, dass es nach 10 Tagen noch nicht so viel zu erzählen gibt, aber weit gefehlt! Ich habe bereits soviel erlebt, dass ich überhaupt nicht weiß, ob ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Ich denke, ich fange mal am Anfang an nämlich mit der Reise nach Okinawa. Wir, also meine Mitstudierenden und ich sind also am Donnerstag vor 2 Wochen ab Düsseldorf los geflogen, mit der Lufthansa nach Frankfurt, von dort aus nach Nagoya, was in der Präfektur Aichi liegt, und dann weiter nach Naha, der Hauptstadt von Okinawa. Der Flug war wirklich angenehm und ist reibungslos verlaufen, doch schon in Nagoya passierte etwas, was nicht geplant war: Wir mussten zu einer Art Anmeldung für Ausländer, was soviel Zeit in Anspruch genommen hat, dass wir beinahe unseren Anschlussflug nach Naha verpasst hätten. Wir haben irgendeine komische Karte erhalten, mit der wir so richtig gar nichts anzufangen wussten und waren nur darauf bedacht, unseren nächsten Flug zu erwischen.

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Okinawa Report - Karate Museum

Ahnen und Gespenster  Hier Bilder von Thilo aus dem Karatemuseum..

An was glauben wohl die Okinawaner? Welche Religion praktizieren sie – Buddhismus? – Christentum? Weder noch! Auf Okinawa werden vor allem die Ahnen verehrt, auf japanisch Sosensuuhai (祖先崇拝).

Es wird gesagt, dass wenn nach dem Tod einer Person 33 Jahre vergangen sind, diese Person dann ein Kami also ein Gott wird und von diesem Zeitpunkt an über die Familie wacht. Zur Zeit des Totenfestes Obon (お盆) und zu Neujahr versammeln sich die Verwandten und beten am Butsudan (仏壇), einem buddhistischen Alter, der sich im Haus der Familie befindet. Von diesem Butsudan wird gesagt er sei das Haus der verstorbenen Vorfahren, die man in der Not dort um Hilfe bitten kann.

Wo geht es hin, wenn man gestorben ist? Ins Paradies? Was glaubt ihr? Die Okinawaner glauben, dass es zum Niraikanai (ニライカナイ) geht, einem „Ort hinter dem Meer“. Dort leben angeblich die Götter und von dort her kommt auch das Glück. Zu Beginn des Jahres kommt, der Legende nach, ein Gott und bringt die gute Ernte mit, um dann am Ende des Jahres wieder ins Niraikanai zurückzukehren.

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Okinawa Report Nov.2012

November, die kalte Jahreszeit bricht an. Es wird kalt, schneit und beginnt zu frieren. Aber nicht auf Okinawa! Tatsächlich hat hier fast noch niemand Eis oder Schnee gesehen, es sei denn im Gefrierschrank! Es ist nämlich so: Die Temperaturen auf Okinawa sinken NIEMALS unter null Grad. Dass es Winter ist merkt man allenfalls daran, dass es häufiger regnet und die Temperatur auf ca. 21 Grad sinkt. Mit weißen Weihnachten wird das dieses Jahr für mich

wohl leider nichts – schadeAuch im NoveShuri Schloss - Hauptgebäudember habe ich wieder allerlei interessante Dinge erlebt, von denen ich im Folgenden ein wenig berichten werde.

Zunächst einmal werden ja wohl die meisten schon die Fotos gesehen haben, die ich euch geschickt habe. Die Fotos zeigen das Karate-Museum ganz in der Nähe meiner Universität. Gleichzeitig ist es ein Dojo in dem auch noch fleißig trainiert wird. Der Besitzer heißt Tetsuhiro Hokama Sensei, 10. Dan im Goju-Ryu und 10. Dan Kobudo. Von dem Museum führt eine kleine Treppe nach oben, dort lebt Herr Hokama! Wir konnten uns ein bisschen mit ihm unterhalten und ich konnte einen Termin für ein Interview mit ihm vereinbaren. Wir durften uns nicht nur alle Sachen im Museum anschauen und fotografieren, er ließ uns auch noch bei einer Übungsstunde zuschauen, nämlich beim Kindertraining! Es war wirklich sehr interessant zu sehen, wie er unterrichtet. Z.B. Zählte er immer wieder auf einer anderen Sprache, was die Kinder dann auch machen sollten, oder die Kinder mussten (am Ende des Trainings) still sitzen und etwas vormachen, z.B. Rechenaufgaben oder ähnliches. Herr Hokama war sehr nett und bot uns an, regelmäßig an seinem Erwachsenentraining teilzunehmen (50€ Aufnahmegebühr + 30€ Mitgliedsbeitrag [exklusive Kobudo!]). Er trainiert zwei Mal die Woche jeweils für zwei Stunden. Da ich aber schon mit dem Training im Jundokan beide Hände voll zu tun hatte, beließ ich es vorerst bei dem Besuch des Museums.

Als nächstes möchte ich euch kurz zwei Orte vorstellen, die wir im Rahmen von Ausflügen besucht und kennengelernt haben. Der erste Ort ist das Shuri-Schloss in Shuri. Ihr erinnert euch vielleicht: Shuri = Shuri-Te! Die Besichtigung dieses Schlosses war Teil unseres Uni-Programms und hat wirklich sehr viel Spaß gemacht – vor allem ist es super, wenn man einen Dozenten dabei hat, der einem (fast) alles erklären kann.

 

Nach Außen hin ist das Gebäude nicht sehr spektakulär: Viele alte Mauern, verschiedene Arten von Toren und ab und zu eine heilige Stätte, die eine graue schnöde Steinmauer umgibt (Utaki!). Was dem Betrachter allerdings auffällt ist das Shurei no Mon – ein großes rotes Tor das die Einwohner Ryukyus damals zu einem bestimmten Zweck erbauten. Es zeigt nämlich die Beziehung des damaligen Ryukyu zu China an! Diese Beziehung war wohl einerseits eine brüderliche, aber auch ganz klar eine hierarchische mit China als großem Bruder und Ryukyu als kleinem Bruder! Übrigens hat der Karate-Laden in Naha dieses Tor als Symbol gewählt und nennt sich ja auch Shureido. Damit zeigen sie ihre Verbundenheit und den Respekt zu China! Das gleiche ist der Fall, wenn sie Kata vor dem Tor laufen (z.B. in einigen Videos zu sehen.). Shurei heißt auch so viel wie „den Respekt bewahren“ oder „die korrekte Beziehung bewahren“. Ein weiteres ansehnliches Gebäude ist das, in welchem sich der Thronsaal befindet. Alles aus Holz versteht sich. Das ebenfalls in einem aufwendigen Prozess komplett in rot bemalte Gebäude und die zwei Nebengebäude rahmen den wichtigsten Platz des Schlosses ein. Durch besondere Fliesen erkennt man viele Reihen im Boden, Reihen an denen sich die Untertanen aufreihen und entlang dieser Markierungen hinsetzen konnten. Das Gebäude zur linken Seite des Schlosses ist im chinesischen Stil gebaut und das zur rechten im japanischen. Heute sind es Museen, aber damals dienten diese Häuser zur Beherbergung der Gäste aus China und Japan!

 

Im Museum finden wir unter anderem verzierte Vasen und Teller mit einem Drachen, der nur vier Krallen hat. Unsere Dozentin erklärte uns, dass die Anzahl der Krallen auf die Macht des Drachen Auskunft gibt. So hat der chinesische Drache 5 Krallen, der okinawanische 4 Krallen und der japanische 3 Krallen. Es wird auch gesagt, dass der okinawanische Drache nur vier Krallen hat, um dem großen Bruder China wieder einmal den Respekt zu zeigen. Unser ist auch ein Drache (Verbundenheit) aber er ist etwas anders, hat nur vier Krallen und ist schwächer als eurer.

Eine Besonderheit gibt es noch, die ich unbedingt erwähnen sollte: Es gab früher im ganzen Schloss keine einzige Toilette. Man hatte früher kleine Holzkästchen in die man ihr wisst schon was machte. Diese wurden dann nach vollbrachter Tat vom Gelände getragen.

Shuri Schloss - Nebengebäude im chinesischen StilShuri Schloss - Nebengebäude im japanischen Stil

Shurei no Mon

 

 

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Okinawa Report Okt. 2012

Es ist nun bereits über einen Monat her, dass ich das gute alte Ochtrup verlassen habe, um ein Jahr auf Okinawa zu leben. In 10 Tagen war ja schon sehr viel passiert, stellt euch vor, was man da in einem Monat alles erlebt! Deshalb werde ich die Karate Aspekte in den Vordergrund stellen und diese ausführlicher erzählen.

Aber damit will ich nicht beginnen. Beginnen möchte ich mit den Sachen, die außer Karate noch interessant sind – nicht einfach nur interessant, sondern alles Sachen, die man nur auf Okinawa erleben kann.

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Erweitert Okinawa Report: Dez 2012

Was ich über diesen Monat zu erzählen habe ist wirklich höchst interessant! Nicht nur dadurch, dass zwei große Feste, nämlich Weihnachten und Neujahr in diesem Monat stattfanden, nein, auch mit dem Karate war viel los!

Hier ein kurzer Überblick vorweg: Natürlich berichte ich ein wenig darüber, wie die Japaner es so mit Weihnachten und Neujahr halten. Außerdem gab es im Dezember das „Osoji“ im Jundokan. Was das genau ist, darüber später mehr. Im Jundokan gab es nicht nur das „Osoji“, sondern auch noch die „Bonenkai“. Und als wäre das noch nicht genug hatten wir Karate als Thema im Unterricht und durften uns eine kleine Vorführung ansehen. Mehr kommt da nicht? Doch! Zu guter letzt war ich in einer ganz besonderen Bar zu besuch, der „DOJO-Bar“! Über all diese Sachen geht’s diesmal. Es war sehr interessant es zu erleben, und ich hoffe, ich kanneuch das Erlebte lebendig und interessant wiedergeben.

Ich fange mal an mit der Karatevorführung im Unterricht, da dies wohl am wenigsten spektakulär war. Wir haben also ein Fach das nennt sich „Okinawa-Jijo“ und es geht quasi immer irgendwie um die Kultur Okinawas. Mal besucht man ein Schloss, ein anderes Mal ein altes Grabmal usw.

Dieses Mal ging es um Karate. Unsere Lehrerin hat diesen Unterricht ausnahmsweise einmal nicht selbst gehalten, sondern die „stärkste Frau Okinawas“ wie sie sie nannte auf uns losgelassen. Die „stärkste Frau Okinawas“ heißt eigentlich Haruna und studiert an der Ryukyu Universität. Gleichzeitig macht sie eben auch Karate und ist wohl auch dafür bekannt, sie hat glaube ich auch bereits den 3. Dan.

Zunächst war ich natürlich begeistert, als ich hörte, dass wir Karate im Unterricht behandeln, aber leider hatte ich etwas zu viel erwartet. Die wirklich sehr kurze Vorführung, die wir zunächst in einem leeren Klassenzimmer ansehen konnten, bestand lediglich aus zwei Kata aus dem Shorin-Ryu. Wir hatten ca. 10 Sekunden lang Zeit fragen zu stellen, dann wurde die nächste Kata gezeigt. Wir sollten uns danach selbst einmal mit Karate versuchen und uns schnell einen Partner suchen. In den folgenden 3 min. wurden 2 verschiedene Selbstverteidigungstechniken vorgeführt UND geübt. Die erste Technik war ein Mawashi Geri auf den Oberschenkel des Angreifers als SV!? Bei der zweiten hab’ ich dann schon nicht mehr zugehört.

Im Anschluss an den sehr kurzen praktischen Teil folgte ein bisschen Theorie mit der Hauptaussage: „ Der Ursprung des Karate ist Okinawa!“  Alles in allem war der praktische Teil eher enttäuschend, der theoretische Teil hingegen interessant, auch wenn für unsere Ohren nichts wirklich Neues dabei war.

Nun zu den interessanten Begebenheiten:

Noch recht zu Beginn dieses Monats wurde ich von Sunagawa Sensei gefragt, ob ich nicht an einem Samstag an dem „Osoji“ teilnehmen wollte. Gima-Sensei, der in der Nähe stand korrigierte: „Nicht wollen, Du musst!“
„Osoji“ beudeutet soviel wie „Das Putzen“ oder „Das große Putzen“ und ist in etwa vergleichbar mit unserem Frühjahresputz. Nur halt im Dezember. Dieses Osoji wird also traditionell im Dezember jedes Jahr durchgeführt. Aber nicht nur das Dojo wird geputzt, nein auch die Privatwohnungen. Denn dieses besondere „Putz-Ereignis“ hat einen ganz bestimmten Zweck. Man soll, bevor das Neue Jahr beginnt, einmal alles auf Vordermann bringen, da sonst, so wird es gesagt, der Gott zum Jahreswechsel nicht zu Besuch kommt, die Götter besuchen nämlich nur saubere Wohnungen. So ist dieses Osoji also eine Art Vorbereitung auf den Jahreswechsel, da kurz vor der Tür steht.

MWeihnachtsbaum im Okinawa Stilan sollte jetzt aber nicht den Eindruck bekommen, dass das Dojo (oder die Privatwohnungen) nur einmal im Jahr geputzt werden. Es ist vielmehr so, dass das Osoji wirklich etwas besonderes ist, wo man auch Sachen putzt und säubert, die man sonst nicht putzt oder besonders gründlich putzt usw.
Wieder zurück zum Dojo: Es werden also alle Mitglieder angehalten zu diesem Putztag am Wochenende zu erscheinen. Der Boden zum Beispiel wird ja regelmäßig auf die traditionelle Art gereinigt, einfach, indem mehrere Leute sich einen Lappen schnappen und in einer Art „Löwelauf“ das Dojo in einer Reihe hoch und runter laufen. Bei Osoji werden allerdings auch die Außenanlagen vom Unkraut befreit, die Einfahrt wird mit Wasser abgespritzt, die Fenster werden geputzt, die Spiegel poliert, die Geräte geputzt, die Regale ausgeräumt und entstaubt, das Bad geputzt und alte Ausrüstung die nicht mehr gebraucht wird wird aussortiert und kommt auf den Müll (z.B. alte Pratzen die man nicht mehr gebrauchen kann etc.).  Eine kleine Gruppe wird abgestellt um das Grab des Sensei zu pflegen, also zu reinigen und die Bete einmal ordentlich herzurichten.

Am Ende des Osoji gibt es für jeden eine „Bento-Box“, eine Art Lunchbox mit Reis, Fleich, Gemüse usw. und eine Flasche Tee, die man dann gemeinsam im nun wunderbar sauberen Dojo verzehrt. Das ganze dauert ca. 3-4 Stunden, mittags gehen alle wieder nach Hause.

Als nächstes stand die „Bonenkai“ an, die „Jahresabschlussfeier“. Es gibt auch, ich meine im Januar, eine „Shinnenkai“, wörtlich eine „Neujahresfeier“, die unserer Jahreshauptversammlung entspräche, ebenso wie die Bonenkai.

Ich wollte mich erst gar nicht in die Liste, die am Brett aushing eintragen, da ich ja noch nicht solange dabei war, aber mir wurde gesagt, ich solle doch kommen, man würde das sehr begrüßen.

Also hab’ ich mich natürlich eingetragen! Die Bonenkai war angesetzt von 19:00 bis 22:00 Uhr. Vorher sollte es ein besonderes 90 minütiges Training unter der Leitung von Yasuda Sensei (10.Dan) geben. Das Training bestand aus dem Laufen aller Goju-Ryu Kata, von Gekisai Dai Ichi bis Suparinpei und Sanchin zum Abschluss. Für Leute wie mich, die nicht alle Kata konnten, war das gar kein Problem, man wiederholte entweder die letzte Kata die man konnte oder man wurde angewiesen, die Schrittfolge der unbekannten Kata nachzuahmen. Yasuda Sensei wusste leider manchmal nicht mehr, welche Kata als nächstes kam und musste ein paar Mal nachfragen. Auch seine Erklärungen wurden nur schwer verstanden und so mussten Gima oder Kinjo Sensei manchmal erklären, was Yasuda Sensei eigentlich gemeint hatte. Solche Sachen, die man wohl seinem hohen Alter zur Last legen muss (zwischen 70 und 80), geben keinem im Dojo den Anlass, sich respektlos ihm gegenüber zu verhalten. Manchmal wird er im Gespräch erwähnt und wie es scheint ist er nicht nur im Karate sehr erfolgreich. Er ist nämlich außerdem noch Träger des 10.Dan im Iaido und „Okanemochi“ was soviel heißt wie „reich“! Er besäße wohl viele Mercedes und viele kostbare Schwerter. Als ich nach seinem Beruf fragte, meinte jemand, er vermiete wohl Wohnungen an die Amerikaner, von denen es hier auf der Insel sehr viele gibt.

Wie auch immer, nach dem Training ging es dann in ein italienisches Restaurant das einem Dojomitglied gehörte, nicht weit vom Dojo. An der Feier nahmen ca. 20 Leute teil, man sah auch hier wieder sehr deutlich, dass Karate auch auf Okinawa eine Männerdomäne ist (19 zu 1). Es gab zu beginn eine Ansprache des Direktors, wie viele Mitglieder es momentan seien, wie man das Karate üben wolle im kommenden Jahr usw. (Erinnerte sehr an unsere Jahreshauptversammlung). Die Neuzugänge sollten sich dann einem kurz vorstellen, bevor die Leckereien aufgetischt wurden. Wie es überall so ist, gab es einige, die nicht genug Bier & Co kriegen konnten, andere waren eher zurückhaltend. Noch vor 22:00 Uhr war die Feier auch vorbei, alle gingen nach Hause, keiner blieb zurück. Bei diesen Sachen sind sie wirklich sehr diszipliniert, wenn um 22:00 Uhr Schluss ist, dann ist auch Schluss.

 

 

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Was gab es noch? Ach ja, die DOJO-Bar!

Nun, ich glaube ich muss das nicht übersetzen. Ich denke jeder kann sich darunter was vorstellen und viele haben auch wahrscheinlich von Andreas Quast schon einmal davon gehört. Wir waren von der Uni dort und haben so was wie ein Klassentreffen dort abgehalten. Was soll ich sagen? Ist einfach die coolste Bar für einen Karate-Ka die man sich nur vorstellen kann! Die Fassade zeigt bereits Auszüge aus dem Bubishi, im Eingangsbereich steht ein Makiwara und ein Bambus- Makiwara. Überall hängen Bilder von Karate- und Kobudo- Meistern. An einer zentralen Wand hängt ein Wand-Makiwara, den man sogar benutzen kann – Training in der Bar! Auf einem großen Monitor laufen die meiste Zeit Karate-Clips und Videos. Auf der Theke steht ein riesiges Glas mit Habu-Shu = Schlangensake, welches der Besitzer der Bar selbst hergestellt hatte. Eine andere ganz besondere Wand ist geziert von den vielen Unterschriften der einstigen Besucher der Bar. Kobudo-Waffen dekorieren die meisten der übrigen Wände.

Auch das Essen (größtenteils vom Besitzer selbst gemacht) und die Getränke waren sehr schmackhaft. Dies war zwar mein erster Besuch in der DOJO-Bar, aber ich hatte schon dieses Mal die Gelegenheit, neue „Karate-Bekanntschaften“ zu schließen. Nicht nur der Besitzer kennt fast alle Karate-Meister der Insel, auch ein Gast aus Jugoslawien (?) trainierte selber bei Higaonna Sensei. Überhaupt ist die Bar ein internationaler Treffpunkt: Der Besitzer kommt aus England, eine Bedienung aus Australien, eine andere aus Okinawa. Der eine Gast kam aus Jugoslawien, und wir aus der Uni waren sowieso ein bunter Haufen aus Deutschen, Taiwanesen, Schweden usw.

Diese Bar war wirklich klasse und jeder der Karate macht und einmal auf Okinawa ist, sollte sie auf jeden Fall einmal Besuchen. Vielleicht gibt es so was ja auch irgendwann einmal in Deutschland?

Bleiben noch die zwei großen Feste: Weihnachten und Neujahr!

Wie ich einigen schon berichtet hatte, ist Weihnachten hier so gar nicht weihnachtlich! Es gibt in Japan nur sehr wenig Christen und das Fest spielt hier so gut wie keine Rolle. Für die meisten ist Weihnachten einfach das Fest der Liebe, aber von Besinnlichkeit keine Spur. Man merkt ja in Deutschland dass bald Weihnachten ist, wenn es bereits ein paar Monate vorher Spekulatius und Schoko-Nikoläuse im Aldi gibt. Und natürlich generell an der Deko. Das ist hier nicht viel anders, auch die japanische Einkaufswelt setzt auf Weihnachten als Werbegag und so sieht man hier vor allem bunte leuchtende Tannenbäume, z.B. auf Parkplätzen oder in Shopping-Centern. Allerdings sind das nicht heimisch anmutende Weihnachtsbäume, sondern große Stahlgerüste, die mit blauen Lämpchen gespickt sind, die unaufhörlich blinken, so das man von weitem meinen mag, da hätten mehrere Polizeiautos einen Unfall gehabt! Noch dazu kommt natürlich das besondere Klima auf Okinawa, also von Eis und Schnee keine Spur, ich hatte es hier Weihnachten 22 Grad Celsius!
Mit anderen Worten: Von Weihnachten keine Spur! Um so mehr habe ich mich über die E-Mails gefreut, die ich gefühlt von jedem Ochtruper Karate-Ka erhalten habe! Nochmal herzlichen Dank dafür, das war echt toll!

Zu guter letzt noch das Ereignis, dass zeitlich noch am nächsten liegt: Neujahr!
Ich hoffe ihr seit alle gut rein gekommen und wünsche euch allen ein Frohes Neues Jahr! Wo bei uns Neujahr/ Silvester eher die Partystimmung ist, und bei Weihnachten eher alles still und besinnlich zugeht, so ist es in Japan umgekehrt! Weihnachten ist Party, Neujahr wird besinnlich im Kreise der Familie gefeiert. Keiner macht hier auf eigene Faust ein Feuerwerk. Wer eines sehen will, muss zu einem öffentlichen Feuerwerk, von denen es auch nicht allzu viele gibt.

Viel wichtiger sind die Verwandten, die sich zu Neujahr versammeln um u.a. zusammen zu Speisen und zum „Hatsumode“ dem ersten Schreinbesuch im Neuen Jahr meist um Mitternacht, zu gehen. Die Tempel sind zu Neujahr meist alle überfüllt, alle stehen an, um die große Glocke 108 Mal zu läuten, damit die 108 schlechten Eigenschaften ausgelöscht werden, und man im neuen Jahr wieder eine neue Chance hat, ein guter Mensch zu sein. (Suparinpei!)

Wer sich nach Null Uhr noch zum Schrein bewegen konnte, der schafft es vielleicht auch noch zum „Hatsuhinode“, dem ersten Sonnenaufgang des Neue Jahres. Um diesen zu sehen, bleiben viele die ganze Nacht wach und versammeln sich an einem Ort, z.B. am Strand und warten auf den ersten Sonnenaufgang des neuen Jahres.Ein paar Wochen vor Neujahr kann man in fast allen Supermärkten die „Shimewara“ kaufen, einige machen sie auch noch selbst. „Shimewara“, das sind größtenteils aus Stroh gefertigte Kranzartige Glücksbringer und Talismane, die man z.B. an die Haustür hängen kann. Diese sorgen dann dafür, dass das Glück kommt, und böse Geister und Dämonen möglichst fern bleiben.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen noch ein wunderbares Jahr 2013 mit viel Glück und Gesundheit und möglichst keinen bösen Geistern oder Dämonen!

Allen denjenigen, die, wie ich gelesen habe, kürzlich ihre Prüfung bestanden haben einen herzlichen Glückwunsch!

Mit den allerbesten Grüßen aus Okinawa,

Thilo

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