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Erweitert Okinawa Report: Dez 2012

Was ich über diesen Monat zu erzählen habe ist wirklich höchst interessant! Nicht nur dadurch, dass zwei große Feste, nämlich Weihnachten und Neujahr in diesem Monat stattfanden, nein, auch mit dem Karate war viel los!

Hier ein kurzer Überblick vorweg: Natürlich berichte ich ein wenig darüber, wie die Japaner es so mit Weihnachten und Neujahr halten. Außerdem gab es im Dezember das „Osoji“ im Jundokan. Was das genau ist, darüber später mehr. Im Jundokan gab es nicht nur das „Osoji“, sondern auch noch die „Bonenkai“. Und als wäre das noch nicht genug hatten wir Karate als Thema im Unterricht und durften uns eine kleine Vorführung ansehen. Mehr kommt da nicht? Doch! Zu guter letzt war ich in einer ganz besonderen Bar zu besuch, der „DOJO-Bar“! Über all diese Sachen geht’s diesmal. Es war sehr interessant es zu erleben, und ich hoffe, ich kanneuch das Erlebte lebendig und interessant wiedergeben.

Ich fange mal an mit der Karatevorführung im Unterricht, da dies wohl am wenigsten spektakulär war. Wir haben also ein Fach das nennt sich „Okinawa-Jijo“ und es geht quasi immer irgendwie um die Kultur Okinawas. Mal besucht man ein Schloss, ein anderes Mal ein altes Grabmal usw.

Dieses Mal ging es um Karate. Unsere Lehrerin hat diesen Unterricht ausnahmsweise einmal nicht selbst gehalten, sondern die „stärkste Frau Okinawas“ wie sie sie nannte auf uns losgelassen. Die „stärkste Frau Okinawas“ heißt eigentlich Haruna und studiert an der Ryukyu Universität. Gleichzeitig macht sie eben auch Karate und ist wohl auch dafür bekannt, sie hat glaube ich auch bereits den 3. Dan.

Zunächst war ich natürlich begeistert, als ich hörte, dass wir Karate im Unterricht behandeln, aber leider hatte ich etwas zu viel erwartet. Die wirklich sehr kurze Vorführung, die wir zunächst in einem leeren Klassenzimmer ansehen konnten, bestand lediglich aus zwei Kata aus dem Shorin-Ryu. Wir hatten ca. 10 Sekunden lang Zeit fragen zu stellen, dann wurde die nächste Kata gezeigt. Wir sollten uns danach selbst einmal mit Karate versuchen und uns schnell einen Partner suchen. In den folgenden 3 min. wurden 2 verschiedene Selbstverteidigungstechniken vorgeführt UND geübt. Die erste Technik war ein Mawashi Geri auf den Oberschenkel des Angreifers als SV!? Bei der zweiten hab’ ich dann schon nicht mehr zugehört.

Im Anschluss an den sehr kurzen praktischen Teil folgte ein bisschen Theorie mit der Hauptaussage: „ Der Ursprung des Karate ist Okinawa!“  Alles in allem war der praktische Teil eher enttäuschend, der theoretische Teil hingegen interessant, auch wenn für unsere Ohren nichts wirklich Neues dabei war.

Nun zu den interessanten Begebenheiten:

Noch recht zu Beginn dieses Monats wurde ich von Sunagawa Sensei gefragt, ob ich nicht an einem Samstag an dem „Osoji“ teilnehmen wollte. Gima-Sensei, der in der Nähe stand korrigierte: „Nicht wollen, Du musst!“
„Osoji“ beudeutet soviel wie „Das Putzen“ oder „Das große Putzen“ und ist in etwa vergleichbar mit unserem Frühjahresputz. Nur halt im Dezember. Dieses Osoji wird also traditionell im Dezember jedes Jahr durchgeführt. Aber nicht nur das Dojo wird geputzt, nein auch die Privatwohnungen. Denn dieses besondere „Putz-Ereignis“ hat einen ganz bestimmten Zweck. Man soll, bevor das Neue Jahr beginnt, einmal alles auf Vordermann bringen, da sonst, so wird es gesagt, der Gott zum Jahreswechsel nicht zu Besuch kommt, die Götter besuchen nämlich nur saubere Wohnungen. So ist dieses Osoji also eine Art Vorbereitung auf den Jahreswechsel, da kurz vor der Tür steht.

MWeihnachtsbaum im Okinawa Stilan sollte jetzt aber nicht den Eindruck bekommen, dass das Dojo (oder die Privatwohnungen) nur einmal im Jahr geputzt werden. Es ist vielmehr so, dass das Osoji wirklich etwas besonderes ist, wo man auch Sachen putzt und säubert, die man sonst nicht putzt oder besonders gründlich putzt usw.
Wieder zurück zum Dojo: Es werden also alle Mitglieder angehalten zu diesem Putztag am Wochenende zu erscheinen. Der Boden zum Beispiel wird ja regelmäßig auf die traditionelle Art gereinigt, einfach, indem mehrere Leute sich einen Lappen schnappen und in einer Art „Löwelauf“ das Dojo in einer Reihe hoch und runter laufen. Bei Osoji werden allerdings auch die Außenanlagen vom Unkraut befreit, die Einfahrt wird mit Wasser abgespritzt, die Fenster werden geputzt, die Spiegel poliert, die Geräte geputzt, die Regale ausgeräumt und entstaubt, das Bad geputzt und alte Ausrüstung die nicht mehr gebraucht wird wird aussortiert und kommt auf den Müll (z.B. alte Pratzen die man nicht mehr gebrauchen kann etc.).  Eine kleine Gruppe wird abgestellt um das Grab des Sensei zu pflegen, also zu reinigen und die Bete einmal ordentlich herzurichten.

Am Ende des Osoji gibt es für jeden eine „Bento-Box“, eine Art Lunchbox mit Reis, Fleich, Gemüse usw. und eine Flasche Tee, die man dann gemeinsam im nun wunderbar sauberen Dojo verzehrt. Das ganze dauert ca. 3-4 Stunden, mittags gehen alle wieder nach Hause.

Als nächstes stand die „Bonenkai“ an, die „Jahresabschlussfeier“. Es gibt auch, ich meine im Januar, eine „Shinnenkai“, wörtlich eine „Neujahresfeier“, die unserer Jahreshauptversammlung entspräche, ebenso wie die Bonenkai.

Ich wollte mich erst gar nicht in die Liste, die am Brett aushing eintragen, da ich ja noch nicht solange dabei war, aber mir wurde gesagt, ich solle doch kommen, man würde das sehr begrüßen.

Also hab’ ich mich natürlich eingetragen! Die Bonenkai war angesetzt von 19:00 bis 22:00 Uhr. Vorher sollte es ein besonderes 90 minütiges Training unter der Leitung von Yasuda Sensei (10.Dan) geben. Das Training bestand aus dem Laufen aller Goju-Ryu Kata, von Gekisai Dai Ichi bis Suparinpei und Sanchin zum Abschluss. Für Leute wie mich, die nicht alle Kata konnten, war das gar kein Problem, man wiederholte entweder die letzte Kata die man konnte oder man wurde angewiesen, die Schrittfolge der unbekannten Kata nachzuahmen. Yasuda Sensei wusste leider manchmal nicht mehr, welche Kata als nächstes kam und musste ein paar Mal nachfragen. Auch seine Erklärungen wurden nur schwer verstanden und so mussten Gima oder Kinjo Sensei manchmal erklären, was Yasuda Sensei eigentlich gemeint hatte. Solche Sachen, die man wohl seinem hohen Alter zur Last legen muss (zwischen 70 und 80), geben keinem im Dojo den Anlass, sich respektlos ihm gegenüber zu verhalten. Manchmal wird er im Gespräch erwähnt und wie es scheint ist er nicht nur im Karate sehr erfolgreich. Er ist nämlich außerdem noch Träger des 10.Dan im Iaido und „Okanemochi“ was soviel heißt wie „reich“! Er besäße wohl viele Mercedes und viele kostbare Schwerter. Als ich nach seinem Beruf fragte, meinte jemand, er vermiete wohl Wohnungen an die Amerikaner, von denen es hier auf der Insel sehr viele gibt.

Wie auch immer, nach dem Training ging es dann in ein italienisches Restaurant das einem Dojomitglied gehörte, nicht weit vom Dojo. An der Feier nahmen ca. 20 Leute teil, man sah auch hier wieder sehr deutlich, dass Karate auch auf Okinawa eine Männerdomäne ist (19 zu 1). Es gab zu beginn eine Ansprache des Direktors, wie viele Mitglieder es momentan seien, wie man das Karate üben wolle im kommenden Jahr usw. (Erinnerte sehr an unsere Jahreshauptversammlung). Die Neuzugänge sollten sich dann einem kurz vorstellen, bevor die Leckereien aufgetischt wurden. Wie es überall so ist, gab es einige, die nicht genug Bier & Co kriegen konnten, andere waren eher zurückhaltend. Noch vor 22:00 Uhr war die Feier auch vorbei, alle gingen nach Hause, keiner blieb zurück. Bei diesen Sachen sind sie wirklich sehr diszipliniert, wenn um 22:00 Uhr Schluss ist, dann ist auch Schluss.

 

 

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Was gab es noch? Ach ja, die DOJO-Bar!

Nun, ich glaube ich muss das nicht übersetzen. Ich denke jeder kann sich darunter was vorstellen und viele haben auch wahrscheinlich von Andreas Quast schon einmal davon gehört. Wir waren von der Uni dort und haben so was wie ein Klassentreffen dort abgehalten. Was soll ich sagen? Ist einfach die coolste Bar für einen Karate-Ka die man sich nur vorstellen kann! Die Fassade zeigt bereits Auszüge aus dem Bubishi, im Eingangsbereich steht ein Makiwara und ein Bambus- Makiwara. Überall hängen Bilder von Karate- und Kobudo- Meistern. An einer zentralen Wand hängt ein Wand-Makiwara, den man sogar benutzen kann – Training in der Bar! Auf einem großen Monitor laufen die meiste Zeit Karate-Clips und Videos. Auf der Theke steht ein riesiges Glas mit Habu-Shu = Schlangensake, welches der Besitzer der Bar selbst hergestellt hatte. Eine andere ganz besondere Wand ist geziert von den vielen Unterschriften der einstigen Besucher der Bar. Kobudo-Waffen dekorieren die meisten der übrigen Wände.

Auch das Essen (größtenteils vom Besitzer selbst gemacht) und die Getränke waren sehr schmackhaft. Dies war zwar mein erster Besuch in der DOJO-Bar, aber ich hatte schon dieses Mal die Gelegenheit, neue „Karate-Bekanntschaften“ zu schließen. Nicht nur der Besitzer kennt fast alle Karate-Meister der Insel, auch ein Gast aus Jugoslawien (?) trainierte selber bei Higaonna Sensei. Überhaupt ist die Bar ein internationaler Treffpunkt: Der Besitzer kommt aus England, eine Bedienung aus Australien, eine andere aus Okinawa. Der eine Gast kam aus Jugoslawien, und wir aus der Uni waren sowieso ein bunter Haufen aus Deutschen, Taiwanesen, Schweden usw.

Diese Bar war wirklich klasse und jeder der Karate macht und einmal auf Okinawa ist, sollte sie auf jeden Fall einmal Besuchen. Vielleicht gibt es so was ja auch irgendwann einmal in Deutschland?

Bleiben noch die zwei großen Feste: Weihnachten und Neujahr!

Wie ich einigen schon berichtet hatte, ist Weihnachten hier so gar nicht weihnachtlich! Es gibt in Japan nur sehr wenig Christen und das Fest spielt hier so gut wie keine Rolle. Für die meisten ist Weihnachten einfach das Fest der Liebe, aber von Besinnlichkeit keine Spur. Man merkt ja in Deutschland dass bald Weihnachten ist, wenn es bereits ein paar Monate vorher Spekulatius und Schoko-Nikoläuse im Aldi gibt. Und natürlich generell an der Deko. Das ist hier nicht viel anders, auch die japanische Einkaufswelt setzt auf Weihnachten als Werbegag und so sieht man hier vor allem bunte leuchtende Tannenbäume, z.B. auf Parkplätzen oder in Shopping-Centern. Allerdings sind das nicht heimisch anmutende Weihnachtsbäume, sondern große Stahlgerüste, die mit blauen Lämpchen gespickt sind, die unaufhörlich blinken, so das man von weitem meinen mag, da hätten mehrere Polizeiautos einen Unfall gehabt! Noch dazu kommt natürlich das besondere Klima auf Okinawa, also von Eis und Schnee keine Spur, ich hatte es hier Weihnachten 22 Grad Celsius!
Mit anderen Worten: Von Weihnachten keine Spur! Um so mehr habe ich mich über die E-Mails gefreut, die ich gefühlt von jedem Ochtruper Karate-Ka erhalten habe! Nochmal herzlichen Dank dafür, das war echt toll!

Zu guter letzt noch das Ereignis, dass zeitlich noch am nächsten liegt: Neujahr!
Ich hoffe ihr seit alle gut rein gekommen und wünsche euch allen ein Frohes Neues Jahr! Wo bei uns Neujahr/ Silvester eher die Partystimmung ist, und bei Weihnachten eher alles still und besinnlich zugeht, so ist es in Japan umgekehrt! Weihnachten ist Party, Neujahr wird besinnlich im Kreise der Familie gefeiert. Keiner macht hier auf eigene Faust ein Feuerwerk. Wer eines sehen will, muss zu einem öffentlichen Feuerwerk, von denen es auch nicht allzu viele gibt.

Viel wichtiger sind die Verwandten, die sich zu Neujahr versammeln um u.a. zusammen zu Speisen und zum „Hatsumode“ dem ersten Schreinbesuch im Neuen Jahr meist um Mitternacht, zu gehen. Die Tempel sind zu Neujahr meist alle überfüllt, alle stehen an, um die große Glocke 108 Mal zu läuten, damit die 108 schlechten Eigenschaften ausgelöscht werden, und man im neuen Jahr wieder eine neue Chance hat, ein guter Mensch zu sein. (Suparinpei!)

Wer sich nach Null Uhr noch zum Schrein bewegen konnte, der schafft es vielleicht auch noch zum „Hatsuhinode“, dem ersten Sonnenaufgang des Neue Jahres. Um diesen zu sehen, bleiben viele die ganze Nacht wach und versammeln sich an einem Ort, z.B. am Strand und warten auf den ersten Sonnenaufgang des neuen Jahres.Ein paar Wochen vor Neujahr kann man in fast allen Supermärkten die „Shimewara“ kaufen, einige machen sie auch noch selbst. „Shimewara“, das sind größtenteils aus Stroh gefertigte Kranzartige Glücksbringer und Talismane, die man z.B. an die Haustür hängen kann. Diese sorgen dann dafür, dass das Glück kommt, und böse Geister und Dämonen möglichst fern bleiben.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen noch ein wunderbares Jahr 2013 mit viel Glück und Gesundheit und möglichst keinen bösen Geistern oder Dämonen!

Allen denjenigen, die, wie ich gelesen habe, kürzlich ihre Prüfung bestanden haben einen herzlichen Glückwunsch!

Mit den allerbesten Grüßen aus Okinawa,

Thilo

Okinawa Report Januar 2013

Das Jahr 2013 ist angebrochen und natürlich gibt es auch in diesem Jahr weiter Berichte aus Okinawa! 2013, das Jahr der Schlange! Es gibt in Japan 12 Tierkreiszeichen, die sich dementsprechend alle 12 Jahre wiederholen. Es fängt an mir der Ratte, dann geht es weiter mit Kuh, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Huhn, Hund und Schwein.

So lässt sich ganz einfach ausrechnen, unter welchem Tierkreiszeichen man geboren wurde. Das heißt z.B. für die Leute die 2001, 1989, 1977, 1965, 1953, 1941 usw. geboren wurden: 2013 ist euer Jahr!

Wie alle Jahre beginnt auch 2013 mit dem Januar. Und was im Januar so alles auf Okinawa los war, darüber erzähle ich im folgenden Bericht.

Gleich zu Beginn des Jahres fand am Zamami San San Beach ein Neujahresmarathon (10km) statt – genau das richtige um das neue Jahr einzuleiten. Was aus deutscher Sicht wohl schwer nachvollziehbar erscheinen mag: Am nächsten Tag hatte ich einen ordentlichen Sonnenbrand!

Und das, obwohl die Monate Januar und Februar als die „kältesten“ Monate des Jahres gelten. Wohl eher die „kühlsten“.

Die Lage der Insel und das damit verbundene Wetter bringt aber nicht nur Sonnenbrände mit sich sondern ist auch der Grund, warum man auf Okinawa bereits im Januar die ersten Kirschblüten bestaunen kann. In Japan hat die Kirschblüte ja einen besonderen Stellenwert und daher gibt es auch ein entsprechendes Fest, das „Kirschblütenfest“ – auf Japanisch „Hanami“, was soviel heiß wie „Blumen anschauen“.

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Okinawa Report März 2013

Thilo 2013 3 4Ich habe wieder einmal viel zu erzählen, also seid gespannt! Vorab ein kurzer Überblick, was in diesem Bericht alles vorkommen wird und ja, auch dieses Mal gibt es wieder etwas Besonderes! Zunächst werde ich von einem Besuch im „Churaumi Suizokukan“ berichten, dem berühmten Aquarium in Nago. Danach werde ich erklären, wie es dazu kam, dass ich für einen Tag lang zum Dan Träger wurde. Den Höhepunkt im März bildete ohne Zweifel die Danprüfung im Jundokan, über die ich natürlich auch schreiben werde.
Zu guter letzt möchte ich ein Gedicht von Chojun Miyagi vorstellen. Es trägt den Titel „Karate to wa nan zo ya?“. Das bedeutet in etwa: „Was ist Karate?“

Weiterlesen: Okinawa Report März 2013

Okinawa Report Februar 2013

Februar 2013 - Makiwara und Dojokun

Diesen Monat gab es keine besonders interessanten Ereignisse. Da das Ochtruper Dojo ja überlegt Trainingsgeräte mit dem Namen „Makiwara“ anzufertigen, habe ich mir gedacht, da ich schon mal hier auf Okinawa bin, kann ich ja auch die Makiwara, die hier benutzt werden, vorstellen.
Ich werde also in diesem Report etwas über die Geschichte der Makiwara erzählen, wie man sie anfertigt und wie sie benutzt werden.

Zum Schluss möchte ich noch ein wichtiges Thema ansprechen, nämlich die „Dojokun“. Sensei Ullrich Schlee hat ja bereits einen Artikel geschrieben der auf der Homepage des Karatevereins Ochtrup zu finden ist, in dem die Wichtigkeit der Dojokun betont wird. Auch im Buch „Jukuren – Kampfkunst der Erfahrenen“ von Herrn Fritz Nöpel und Herrn Martin Nienhaus werden die Dojokun behandelt und u.a. die Dojokun des Yuishinkan nach Tomoharu Kizaki vorgestellt. Auch im Jundokan wird auf die Dojokun großer Wert gelegt. Daher werde ich diese einmal vorstellen und mit den Dojokun des Yuishinkan vergleichen.

Der Begriff „Makiwara“ setzt sich zusammen aus den japanischen Wörtern „Maku“ (巻く), was soviel wie „wickeln“ bedeutet, und „Wara“ () was “Stroh” bedeutet. Demnach ist ein Makiwara also eine „Strohwickel“.

Wer genau den Makiwara, wie er beim Karate Training benutzt wird, erfunden hat und wann genau sich das zugetragen hat, ist unklar. Im Jundokan wird allerdings folgende Geschichte erzählt: Ein Bushi (Krieger) namens Matsumura der am Hofe des Shuri Schlosses gedient haben soll, sei eines Tages auf eine Reise nach Kagoshima, eine der südlichsten Präfekturen Japans, aufgebrochen, um dort die Kampfkünste zu studieren. Geboren ist dieser Krieger namens Matsumura angeblich im Jahre 1800. Matsumura, der auf Okinawa bereits eine alte Variante des Karate (wahrscheinlich „Shuri-Di“ [首里手]) erlernt hatte, übte sich in Kagoshima u.a. im Kendo. Zu der Zeit benutzten sie im Kendo bereits Übungspuppen aus Holz und Stroh. Als Matsumura dieses Training beobachtete, kam ihm angeblich die Idee, solche Übungspuppen auch für das Karate anzufertigen. So sei der erste Makiwara also auf Okinawa entstanden.

Allerdings gab es schon vor dieser Zeit Übungsgeräte namens „Makiwara“, nämlich im Kyudo, dem japanischen Bogenschießen! Der Begriff „Makiwara“ ist also nichts Neues, auch das Konzept nicht. Es wurde lediglich angepasst, sodass ein Karate Ka damit effektiv üben konnte.

Die meisten Leute stellen sich bei einem Makiwara auch oft ein hölzernes Brett vor, das im Boden befestigt ist und am oberen Ende eine Art Polsterung besitzt (z.B. aus Stroh). Das ist genaugenommen nicht korrekt. Denn beim Makiwara handelt es sich eigentlich nur um die Polsterung aus Stroh! Es wird gesagt, dass es diese Bretter damals nicht gab, man wickelte einfach Stroh um einen Baum oder ähnliches. Natürlich ist das elastische Holzbrett heute fester Bestandteil des Makiwara und darf auch ruhig so bezeichnet werden. Auch wird heute nur noch selten Stroh verwendet. Anstelle von Stroh hat man andere Materialien gefunden, die sich ebenso gut eignen, z.B. Leder, Gummi, Schwämme, usw.

 

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Auf dem Foto links sieht man z.B. einen Makiwara aus dem Jundokan. Das obere Ende ist mit einer dünnen Lederpolsterung ausgestattet.

 

 

Thilo2013r2013003Auf diesem Foto sind gleich drei verschiedene Arten von Makiwara zu sehen. Ganz links der sogenannte „Wandmakiwara“, in der Mitte der „klassische Makiwara“ und ganz rechts ein „Bambusbündel“, besonders geeignet zum Nukite-Training.

Dieses Foto wurde im „Shureido“, Naha’s berühmten Karate Laden aufgenommen. Diese Makiwara kann man dort käuflich erwerben

 

.In der Tat gibt es heutzutage viele verschiedene Arten von Makiwara. Nicht nur im Karate sondern auch in anderen Kampfkünsten finden ähnliche Gerätschaften im Training Verwendung. Im Grunde sind hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Man kann sich einen Makiwara passend für seine Bedürfnisse herstellen, je nach dem, was man damit trainieren möchte. Die häufigsten Arten der Makiwara, quasi die Grundvarianten sind wohl 1) der „klassische Makiwara“ wie oben im Foto zu sehen, 2) der „Bambusbündel-Makiwara“ zum Nukitetraining und 3) der „Ude-Makiwara“.

Weiterlesen: Okinawa Report Februar 2013

Okinawa Report April 2013

Im Karate spielen die Kata eine wichtige Rolle. Aber das ist noch lange nicht Alles, was Karate zu bieten hat! Neben den Kata wird auch u.a. auf Gymnastik, Ausdauer und Partnerarbeit großen Wert gelegt.

Auch ein gewisses Maß an Kraft sollte man sich aneignen. In Deutschland gibt es viele Möglichkeiten, um seine Kraft zu verbessern. Sei es nun Fitnessstudio, Cross-Fit oder Gewichtheben. Wie aber trainieren die Karateka auf Okinawa? Gibt es besondere Methoden? Mit welchem Ziel wird das Krafttraining hier betrieben? Über diese Themen soll es in diesem Bericht gehen.

Es gibt sogar einen speziellen Begriff für das Krafttraining im Karate. Es bietet sich also an, sich diesen zunächst einmal näher anzuschauen. Übungen, bei denen man u.a. seine Kraft trainiert werden hier in der Regel „Hojo Undo“ (補助運動), zu Deutsch etwa „Unterstützende Übungen“, genannt. Es gibt noch einen weiteren Begriff der ebenfalls Verwendung findet, nämlich „Kigu Undo“ (器具運動), was soviel wie „Übungen mit Geräten“ bedeutet.

An diesen Namen lassen sich bereits zwei Sachen gut zeigen. In der ersten Bezeichnung ist von „unterstützenden“ Übungen die Rede. Das heißt also, dass diese Übungen nicht den Hauptbestandteil des Trainings ausmachen, sondern ein Plus, ein Zusatz zu anderen Übungen sind. Aber was wird „unterstützt“? Ganz einfach: Die Kata! Alle Übungen sollen helfen, die Kata und die Techniken aus den Kata zu vervollkommnen. Das ist ein wichtiger Punkt, denn da dies also das Ziel der „Hojo Undo“ ist, nämlich die Kata zu verbessern, lassen sich deutliche Unterschiede zu anderen Arten des Krafttrainings aufweisen.

Bevor wir dazu kommen, gibt es da aber noch den zweiten Begriff (Kigu Undo), der „Geräte“ erwähnt. Es gibt also Geräte oder Hilfsmittel, die bei diesen Übungen zum Einsatz kommen. Eben diese „Geräte“ möchte ich hier einmal kurz vorstellen. Es gibt, soweit ich das überblicken kann, eine Vielzahl von verschiedenen Geräten und Hanteln, die nicht in jedem Dojo gleichermaßen zu finden sind. Daher werde ich mich auf die Utensilien für das Hojo Undo und Kigu Undo beschränken, die im Jundokan zu finden sind. Ich werde ein wenig über die Entstehung erzählen, sofern ich darüber etwas weiß, und nach Möglichkeit auch Besonderheiten im Gebrauch ansprechen.

Los geht’s also mit den sogenannten „Chiishi“ (石鎚). Die Kanji der „Geräte“ werden in den meisten Fällen (hier auch), nicht Japanisch gelesen, sondern Uchinaguchi (alte Sprache Ryukyu’s).

Chiishi bedeutet wörtlich übersetzt soviel wie „steinerner Klopfer“. Die „traditionelle“ Version besteht aus einem langen hölzernen Griff, der an einem Ende in einen runden Stein befestigt ist.

Die Chiishi, die oben auf dem Bild zu sehen sind, sind die des Jundokan. Ganz links die schwerste Ausführung, ganz rechts die leichteste. Die schwersten Chiishi wiegen etwa 10kg bis 15kg. Die leichteren etwa 4kg bis 10kg.

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Weiterlesen: Okinawa Report April 2013

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